Herbstkräuter & Immunsystem stärken

Herbstkräuter & Immunsystem stärken

Liebe Leser*innen,

wenn die Tage kürzer werden, das Laub in bunten Farben leuchtet und die Temperaturen langsam sinken, dann spüren viele von uns besonders deutlich, dass die Abwehrkräfte stärker gefordert sind. Gerade in dieser Jahreszeit lohnt es sich deshalb, die Natur mit all ihren Schätzen in den Blick zu nehmen, denn sie hält eine Vielzahl an Heilkräutern bereit, die unser Immunsystem auf natürliche Weise unterstützen können. Schon seit Jahrhunderten greifen Menschen deshalb auf Kräuter zurück, um Krankheiten vorzubeugen oder Beschwerden zu lindern. Dieses überlieferte Wissen wird inzwischen zunehmend durch wissenschaftliche Erkenntnisse bestätigt, sodass wir heute von einer wertvollen Verbindung aus Tradition und Forschung profitieren können.

Im Oktober spielen dabei vor allem Hagebutte, Thymian und Holunder eine wichtige Rolle. Sie sind nicht nur fester Bestandteil der Volksmedizin, sondern darüber hinaus auch reich an wertvollen Inhaltsstoffen wie Vitamin C, ätherischen Ölen und sekundären Pflanzenstoffen. Gerade deshalb lohnt es sich, diese Heilkräuter näher kennenzulernen. Doch wo genau findet man die Pflanzen, wie sehen sie eigentlich aus – und vor allem: wie lassen sie sich anwenden?

„Für jede Krankheit ist ein Kraut gewachsen.“
Sebastian Kneipp, Pfarrer und Naturheilkundler (1821–1897)

Wichtige Herbstkräuter im Überblick

Lassen Sie uns nun gemeinsam einen Blick auf diese herbstlichen Begleiter werfen, denn sie sind kleine Naturwunder, die seit Jahrhunderten für Heilung, Stärkung und Wohlbefinden genutzt werden. Und gerade jetzt zur Herbstzeit lohnt es sich besonders, sie näher kennenzulernen.
Zu den wichtigsten Herbstkräutern zählen daher unter anderem:

Hagebutte (Rosa canina)
  • Aussehen: Die Früchte sind eiförmig bis rundlich, leuchtend rot und enthalten zahlreiche kleine, mit Härchen besetzte Samen.

  • VorkommenHagebutten wachsen in Hecken, an Waldrändern und auf Wiesen.

  • Inhaltsstoffe: Reich an Vitamin C, Flavonoiden und Gerbstoffen – stärken das Immunsystem und wirken antioxidativ.

  • Aussehen: Kleine, schmale Blättchen mit einem intensiven, aromatischen Duft; die Blüten sind meist violett bis rosa.

  • Vorkommen: Ursprünglich aus dem Mittelmeerraum, gedeiht aber auch in Gärten und auf sonnigen Hängen.

  • Inhaltsstoffe: Enthält Thymol und Carvacrol, ätherische Öle mit nachweislich antibakterieller Wirkung.

  • Aussehen: Ein Strauch mit schwarzen, glänzenden Beeren, die in doldenartigen Fruchtständen wachsen; die Blätter sind unpaarig gefiedert.

  • Vorkommen: Häufig an Waldrändern, in Gärten und an Feldwegen.

  • Inhaltsstoffe: Anthocyane, Flavonoide und ätherische Öle; stärken die Abwehrkräfte und wirken entzündungshemmend.

Foto: Hans / Pixabay

  • Aussehen: Schmale, lanzettförmige Blätter mit deutlicher Blattnervatur, unscheinbare Ährenblüten.

  • Vorkommen: An Wegrändern, Wiesen und Böschungen; robust und weit verbreitet.

  • Inhaltsstoffe: Enthält Schleimstoffe, Aucubin (ein Iridoidglykosid) und Gerbstoffe; wirkt reizlindernd, besonders bei Husten.

  • Aussehen: Graugrüne, samtige Blätter mit intensivem Aroma; violett-blaue Lippenblüten.

  • Vorkommen: Ursprünglich aus dem Mittelmeerraum, wächst auch in heimischen Gärten.

  • Inhaltsstoffe: Enthält ätherische Öle (Thujon, Cineol), Gerb- und Bitterstoffe; wirkt antibakteriell und entzündungshemmend, hilfreich bei Halsbeschwerden.

  • Aussehen: Große, gezahnte Blätter mit Brennhaaren, grünlich unscheinbare Blüten.

  • Vorkommen: Sehr verbreitet auf nährstoffreichen Böden, an Waldrändern und Wegen.

  • Inhaltsstoffe: Reich an Eisen, Kalium, Kieselsäure und Vitaminen; wirkt stoffwechselanregend und immunstärkend.

Foto: Kapa65 / Pixabay

  • Aussehen: Auffällige purpurrote Blüten mit kegelförmiger Mitte, robuste Staude.

  • Vorkommen: Ursprünglich aus Nordamerika, heute auch in vielen Gärten.

  • Inhaltsstoffe: Enthält Polysaccharide, Alkylamide und Kaffeesäurederivate; bekannt für immunstimulierende Eigenschaften, insbesondere zur Vorbeugung von Erkältungen.

  • Aussehen: Die Pflanze besitzt tiefgrüne, gezähnte Blätter, die beim Zerreiben einen stark erfrischenden Minzduft verströmen. Die Stängel sind meist leicht rötlich gefärbt.

  • Vorkommen: Wächst in Gärten, auf Balkonen oder an halbschattigen, feuchten Standorten; gelegentlich auch verwildert an Wegesrändern.

  • Inhaltsstoffe: Menthol, ätherische Öle, Flavonoide; wirken krampflösend, kühlend und wohltuend bei Erkältungen.

  • Quelle: Arzneipflanzenlexikon, Kooperation Phytopharmaka.
  • Aussehen: Immergrüner Strauch mit nadelartigen, dunkelgrünen Blättern und kleinen, hellblauen Blüten; typisch intensiver mediterraner Duft.

  • Vorkommen: In Kräutergärten, auf warmen, sonnigen Standorten; in milden Regionen ganzjährig erntbar.

  • Inhaltsstoffe: Ätherische Öle (v. a. Cineol), Rosmarinsäure, Gerbstoffe; wirken durchblutungsfördernd, anregend und entzündungshemmend.

  • Quelle: Heilpflanzen-Atlas, Rosmarin
  • Aussehen: Krause oder glatte tiefgrüne Blätter mit kräftigem Kräuterduft; buschige Wuchsform und zarte Stängel.

  • Vorkommen: In nahezu allen Gemüsegärten, in Pflanzkübeln oder frisch auf dem Markt erhältlich; wächst bis in den späten Herbst hinein.

  • Inhaltsstoffe: Vitamin C, Vitamin E, Vitamin K, Beta Carotin,  Apiol, Flavonoide; wirken immunstärkend, harntreibend und stoffwechselanregend.

  • Quelle: NDR, Ratgeber Gesundheit, Petersilie
  • Aussehen: Grundständige Rosette aus tief gezackten Blättern; im Frühjahr gelbe Korbblüten, im Herbst oft frische Blatttriebe und Wurzeln.

  • Vorkommen: Auf Wiesen, in Parks, Gärten, an Straßenrändern und auf nährstoffreichen Böden fast überall verbreitet.

  • Inhaltsstoffe: Bitterstoffe, Inulin, Kalium; wirken leberstärkend, verdauungsfördernd und leicht entwässernd.

  • Quelle: Pharma4u, Apothekendatenbank Heilkräuter, Löwenzahn
  • Aussehen: Fein gefiederte Blätter („Tausendblatt“) und kleine weiße bis rosafarbene Blüten, die in flachen Dolden stehen.

  • Vorkommen: Wiesen, Böschungen, Wegränder; bevorzugt sonnige, trockene Standorte, oft bis in den frühen Herbst zu finden.

  • Inhaltsstoffe: Ätherische Öle, Bitterstoffe, Flavonoide; wirken krampflösend, entzündungshemmend und beruhigend auf den Verdauungstrakt.

  • Quelle: Arzneipflanzenlexikon, Kooperation Phytopharmaka.
Achtung wegen der leichten Verwechslungsgefahr mit Bärenklau und Schierling

 Schafgabe riecht beipielsweise beim Zerreiben der Blätter schwer-süßlich-erfrischend (ähnlich wie Süßholz oder Lakritz). Sie sollte aber nicht bitterlich-krautig riechen.

Foto: Hans / Pixabay

Von der Theorie zur Praxis – Heilkräuter in der Anwendung 

Nachdem wir nun einen Blick auf die wichtigsten Herbstkräuter geworfen haben, stellt sich die Frage: Wie können wir diese Schätze der Natur ganz konkret im Alltag nutzen? Denn es ist das Eine, über ihre wertvollen Inhaltsstoffe zu lesen, aber etwas ganz Anderes, sie selbst zu sammeln, zuzubereiten und ihre wohltuende Wirkung zu erfahren. Ob als wärmender Tee, kräftigender Sirup oder kleiner Helfer bei Erkältungsbeschwerden – die Anwendungsmöglichkeiten sind so vielfältig wie die Kräuter selbst.

Wer das Thema Kräuter gerne einmal mit einem Augenzwinkern erleben möchte, dem kann ich Christine Rauch – besser bekannt als Survival Siglinde – mit ihrem Instagram- und YouTube-Kanal Wildrausch empfehlen. Sie ist eine Heilkräuterkundige, die mit viel Wissen und einer guten Portion Humor zeigt, wie spannend und unterhaltsam die Welt der Pflanzen sein kann. Gerade ihr humorvoller Ansatz macht Lust darauf, selbst aktiv zu werden und die Kräuter vor der eigenen Haustür neu zu entdecken. Wie beim Pilze-Sammeln gilt aber auch beim Selbständigen Sammeln von Wildpflanzen: Sicherheit geht vor, sammeln Sie nichts, wenn Sie sich unsicher sind.

Damit Sie direkt ausprobieren können, wie Hagebutte, Holunder oder Thymian Ihre Gesundheit stärken, habe ich ein paar einfache Rezepte für Sie zusammengestellt. Sie lassen sich leicht nachkochen und bringen ein Stück Herbstnatur in Ihre Küche.

Zutaten:

  • 1 kg frische Hagebutten

  • 1,5 Liter Wasser

  • 500–600 g Zucker (nach Geschmack)

  • 1 Bio-Zitrone (Saft)

Zubereitung:

  1. Die Hagebutten waschen, Stielansätze und Blütenreste entfernen und die Früchte halbieren.

  2. Mit dem Wasser in einen großen Topf geben und etwa 30 Minuten sanft köcheln lassen, bis die Früchte weich sind.

  3. Die Masse durch ein feines Sieb oder Tuch passieren, sodass nur der Saft übrig bleibt.

  4. Den Saft abmessen, mit dem Zucker (ca. 300 g je 500 ml Saft) und dem Zitronensaft nochmals aufkochen lassen.

  5. Den noch heißen Sirup in sterile Flaschen füllen und gut verschließen.

👉 Aus 1 kg Hagebutten erhält man etwa 700–900 ml Sirup, abhängig vom Reifegrad und Wassergehalt der Früchte.

Wirkung:

Hagebutten sind reich an Vitamin C, wodurch sie das Immunsystem stärken und bei Erkältungskrankheiten vorbeugend wirken können. Außerdem enthalten sie Antioxidantien und sekundäre Pflanzenstoffe, die freie Radikale binden und so die Zellen schützen. Sie gelten zudem als leicht entzündungshemmend und können die Gelenkgesundheit positiv unterstützen.

Zutaten:

  • 1 kg reife Holunderbeeren (gewaschen und von den Stielen befreit)

  • 500 ml Wasser

  • 500 g Zucker (nach Geschmack auch etwas weniger oder mehr)

  • 1 Bio-Zitrone (Saft und Schale)

Zubereitung:

  1. Die Holunderbeeren mit dem Wasser in einen großen Topf geben, langsam erhitzen und etwa 20 Minuten köcheln lassen, bis die Beeren aufplatzen.

  2. Die Masse durch ein feines Sieb oder Tuch streichen, sodass nur der Saft übrig bleibt.Den Saft zurück in den Topf geben, Zucker und Zitronensaft (sowie etwas Schale) hinzufügen und nochmals kurz aufkochen lassen.

  3. Den heißen Sirup sofort in sterile Flaschen füllen und gut verschließen.
    1.  

👉 Aus 1 kg Holunderbeeren erhält man etwa 750 ml bis 1 Liter Sirup, je nach Saftgehalt der Früchte.

Wirkung:
Holunderbeeren gelten als echtes Stärkungsmittel für das Immunsystem. Sie enthalten viel Vitamin C und Anthocyane, die stark antioxidativ wirken und freie Radikale abfangen. Zudem fördern sie die Schleimlösung bei Erkältungen und können so Husten und Heiserkeit lindern. Durch ihre antiviralen Eigenschaften wird Holundersirup oft als natürliches Hausmittel zur Vorbeugung von Infekten eingesetzt.

Zutaten:

  • 1 großer Bund frischer Thymian (ca. 50–70 g)

  • 500 ml Wasser

  • 250–300 g Honig oder Zucker (nach Geschmack)

  • 1 Bio-Zitrone (Saft)

Zubereitung:

  1. Thymian gründlich abspülen und die Zweige grob zerkleinern.

  2. Mit dem Wasser in einen Topf geben und etwa 10–15 Minuten sanft köcheln lassen.

  3. Anschließend den Sud abseihen und den Zitronensaft hinzufügen.

  4. Den heißen Sud mit Honig oder Zucker süßen, nochmals kurz aufkochen und in sterile Flaschen füllen.

👉 Aus dieser Menge erhält man ca. 400–500 ml Sirup.

Wirkung:
Thymian enthält ätherische Öle wie Thymol und Carvacrol, die antibakteriell und schleimlösend wirken. Der Sirup lindert Reizhusten, fördert das Abhusten bei Bronchitis und beruhigt die Atemwege. Traditionell wird Thymian daher als Hustenmittel für Jung und Alt eingesetzt.

Rezept für herbstlichen Immun-Tee

Zutaten (für ca. 1 Kanne à 1 Liter):

  • 2 EL getrocknete Hagebuttenschalen

  • 1 EL Holunderblüten (getrocknet)

  • 1 TL Thymian (getrocknet oder frisch)

  • 1 TL frischer Ingwer (gerieben)

  • Optional: 1 TL Honig zum Süßen

Zubereitung:

  1. Alle Kräuter und den Ingwer in eine Teekanne geben.

  2. Mit 1 Liter kochendem Wasser übergießen und 10 Minuten ziehen lassen.

  3. Abseihen und nach Belieben mit Honig süßen.

👉 Ergibt ca. 3–4 Tassen Tee.

Wirkung:
Dieser Tee vereint die abwehrstärkende Kraft der Hagebutte (Vitamin C), die schweißtreibenden Eigenschaften der Holunderblüten, die antimikrobielle Wirkung des Thymians und die wärmende Schärfe des Ingwers. Gemeinsam fördern sie die Stärkung des Immunsystems und helfen, Erkältungen vorzubeugen oder deren Verlauf abzumildern.

Schlusswort

Der Oktober zeigt, wie reich die Natur an Heilkräutern ist, die nicht nur unsere Gesundheit unterstützen, sondern auch Wärme und Geborgenheit in die dunkler werdenden Tage bringen. Ob als Tee, Sirup oder in der Küche – die Kräuter des Herbstes laden uns ein, altes Wissen mit modernen Erkenntnissen zu verbinden und unserem Körper auf natürliche Weise etwas Gutes zu tun.

Vielleicht probieren Sie in den nächsten Tagen ein Rezept aus, das nicht nur wohltuend wirkt, sondern auch ein Stück Naturverbundenheit in den Alltag bringt. Denn gerade in dieser Jahreszeit schenkt uns die Natur alles, was wir brauchen, um gestärkt durch den Herbst zu gehen.

Hintergrundfotos der einzelnen Rezepte:

Hagebutte: hansbenn / Pixabay

Holunder: Hans / Pixabay

Thymian: makamuki0 / Pixabay

Immun-Tee: congerdesign / Pixabay

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