Senior*innenhandys – Smart im Rentenalter

Gerade in der Corona-Zeit ist das Telefon oftmals die einzige Möglichkeit für ältere Menschen, mit ihren Lieben in Kontakt zu bleiben. Doch nicht immer kommen sie mit den neuesten Handy-Modellen zurecht. Ein Ratgeber für Senior*innen und Angehörige rund um das Thema Senior*innen-Smartphones.

Mal eben eine Kurznachricht an die Familie schicken oder mit den Nachbarn einen Termin vereinbaren, auf dem Städtetrip mit dem Navigationsgerät in der Tasche orientieren, nebenbei brillante Fotos machen – die Möglichkeiten von Smartphones sind vielfältig und attraktiv und gerade auch für Senior*innen sehr praktisch. Wer jedoch im höheren Alter in die Smartphone-Nutzung einsteigt, kann leicht überfordert sein: Unübersichtliche Funktionen, zu kleine Symbole auf dem Touchscreen, die schlecht zu bedienen sind und eine unverständliche Menüführung machen das Smartphone eher zu einem Buch mit sieben Siegeln als zu einem hilfreichen Gerät für den Alltag.

Vielfältige Funktionen – besondere Ansprüche

Senior*innen-Smartphones sollen beides vereinbaren – die Nutzung praktischer und individuell bezogener Funktionen und Apps und eine leichte Bedienbarkeit. Sie sollten besondere Voraussetzungen und Bedürfnisse wie beispielsweise Schwerhörigkeit und Beeinträchtigungen des Sehvermögens oder auch eine geringere Beweglichkeit und Sensibilität in den Fingern berücksichtigen. Auch sollten sie für Hörgeschädigte einsetzbar sein, also kompatibel mit einem Hörgerät verwendet werden können. Wie jedes Smartphone sollte das Senior*innen-Smartphone zudem die Möglichkeit bieten, meist kostenfreie Apps aus dem umfangreichen PlayStore von Google zu laden. Mit Gesundheits-Apps können Gesundheitsdaten wie Blutdruck oder Blutzuckerspiegel erfasst und ausgewertet und zum Teil an den Hausarzt weitergeleitet werden. Schrittzähler oder auch eine Erinnerungsfunktion für die regelmäßige Einnahme von Medikamenten können so installiert werden. Die Vielfalt der Möglichkeit zur Gesundheitsvorsorge über Apps ist groß. Auch für die Orientierung kann das Smartphone nützlich sein: Per Sprachansage führt es beispielsweise zum nächsten Ziel. Mit speziellen GPS-Ortungs-Apps kann das Gerät als Sicherheitssystem dienen: Durch eine direkte Ortung des Smartphones lässt sich der Aufenthaltsort des Trägers bestimmen – insbesondere im Notfall.

Geräte auf dem Prüfstand

Smartphones stehen längst nicht mehr nur bei jungen Technik-Fans hoch im Kurs. Die Statistik belegt: Laut Studie des Digitalverbands Bitkom besitzen von den insgesamt 18,1 Millionen über 65-Jährigen in Deutschland mittlerweile 1,1 Millionen ein Seniorenhandy. Doch können alle Geräte nicht nur auf dem Papier, sondern auch in Praxis überzeugen? Die Stiftung Warentest hat 15 ausgewählte Seniorenphones im März 2021 genauer unter die Lupe genommen. Darunter waren neun Einfach-Handys, drei Hybrid-Handys sowie drei Senioren-Smartphones. Die Preisspanne: Ab 27 bis 214 Euro.

Einfach-Handys eignen sich zum Telefonieren, Fotografieren und zum Senden kurzer Nachrichten wie SMS. Es ist für alle geeignet, die kein Internet und keine Apps benötigen. Die Vorteile: Es gibt keine verwirrenden Meldungen vom Betriebssystem, große Tasten sind oft leicht erkennbar, niedrige Preise. Die Nachteile: Ohne Internet und die Apps wie die Messenger Programme Threema, Signal oder WhatsApp sind die Möglichkeiten zur Kommunikation eingeschränkt.

Hybrid-Handys sind ausgestattet mit großer Tastatur und Internetzugang. Vorab installierte Apps wie WhatsApp eröffnen dem Benutzer viele Kommunikationswege bis zu Videotelefonie. Die Vorteile: Es gibt keine verwirrenden Meldungen vom Betriebssystem. Kommunikation via Messenger sind möglich. Die Nachteile: Die Installation neuer Apps ist allerdings meist nicht möglich. Im Schnitt sind diese Geräte etwas teurer als Einfach-Handys.

Senior*innen-Smartphones besitzen statt einer Tastatur ein berührungsempfindliches Touchdisplay. Es ist vor allem geeignet für Personen, die sich schon mit Smartphones auskennen. In der Regel finden sich in der Familie vielleicht ein paar Freiwillige, die einem das Gerät erklären können. Die Vorteile: Große App-Auswahl, Internet und E-Mail sind möglich. Die Nachteile: Nervige Meldungen vom Android-Betriebssystem, auf die man reagieren und sie zur Not löschen muss. Dies überfordert oftmals Neulinge. Von den Anschaffungskosten her eher teuer.

Die Prüfer der Stiftung Warentest hatten bei ihrer Untersuchung vor allem darauf geachtet, dass die 15 Test-Geräte auch für Personen mit Seh-, Hör- oder Motorikschwäche gut zu bedienen sind. Das Ergebnis fällt recht ernüchternd aus. Am Ende schneiden nur vier mit „gut“ ab: Jeweils zwei Einfach-Handys und zwei Smartphones. Alle drei untersuchten Hybrid-Handys sind lediglich „befriedigend“. Vorn liegen in allen drei Kategorien Seniorenhandys des Marktführers Doro, aber auch Modelle von Emporia und Tiptel können überzeugen. Mobiltelefone von Panasonic, Blauton, Gigaset oder Bea-Fon erreichen dagegen nur „befriedigende“ Noten. Ein Einfach-Handy von Telme fällt demnach sogar mit „mangelhaft“ durch. Tipp: Falls das März-Heft der Stiftung Warentest nicht mehr erhältlich ist, kann bei Interesse das Test-Heft mit allen Details auch in der Frankfurter Stadtbücherei ansehen oder ausleihen.

Vorreiter Doro und Emporia

Die Modelle des schwedische Hersteller Doro haben generell eine vereinfachte Oberfläche, die schon direkt vom Start-Screen aus Zugang zu den wichtigsten Telefonfunktionen und Kontakten bietet. Die meisten Geräte sind auch mit Hörgerät nutzbar und setzten den Fokus auf lauten und klaren Klang. Im Paket enthalten ist dazu eine Ladestation, welche den Ladevorgang ohne das hantieren mit kleinen Kabeln möglich macht. Mit der Notruftaste auf der Rückseite der Smartphones kann man eine Notfall-SMS an alle Kontakte senden, die in der vorher eingestellten Notfallnummernliste eingespeichert sind. Das Telefon versucht daraufhin nacheinander einen der Kontakte in dieser Liste telefonisch zu erreichen.

Auch die Geräten vom österreichische Telekommunikationskonzern Emporia werden mit einer stark angepassten Benutzeroberfläche angeboten. Der Umstieg von gewöhnlichen Tasten-Geräten wird durch ein Tastatur-Cover erleichtert, das auf den Touchscreen geklappt werden kann und die Bedienung über die Tastatur wie ein normales Tastentelefon ermöglicht. Auch die Emporia-Geräte besitzen meist eine Ladeschale, zum einfachen Aufladen sowie eine Notfall-Taste auf der Rückseite, die der Reihe nach bis zu fünf selbst bestimmte Kontakte über einen Notfall alarmiert.

Neue Seniorenphones im Vergleich

Wer sich einen Gesamtüberblick über die am Markt verfügbaren Handys und Smartphones für Senior*innen verschaffen möchte, sollte sich den Handy-Finder des Vergleichsportals Verivox genauer anschauen. Mithilfe einer dortigen Filterleiste können Interessierte die Funktionen und Eigenschaften auswählen, die das Wunsch-Gerät aufweisen soll. Doch Vorsicht, einige der aufgeführten Begleiter in der Hosentasche unterstützen nur das Mobilfunknetz der dritten Generation. Das alte 3G-Netz (UMTS) wird jedoch immer weiter zurück gebaut. Daher ist es ratsam, ein besonderes Augenmerk auf LTE-fähige Geräte zu richten, die den aktuellen Mobilfunkstandard nutzen. Tipp: Wer aufs Geld schauen muss und trotzdem ein gutes Senior*innen-Smartphone mit LTE-Unterstützung braucht oder will, guckt sich am besten mal bei den Vorjahresmodellen um. Die sind immer noch sehr gut, kosten aber ein gutes Stück weniger.

Durchblick im Tarifdschungel

Weil Mobilfunk ohne Netz und SIM-Karte wie Fahrradfahren ohne Pedale wenig sinnvoll ist, braucht der/die Einsteiger*in außer einem Senioren-Smartphone auch einen passenden Mobilfunktarif. Ob sich der Abschluss eines Mobilfunkvertrages lohnt oder doch lieber eine Prepaid-Karte erworben werden sollte, hängt von der Nutzung der Senioren-Telefone ab. Wer kein neues Top-Smartphone benötigt, nur sehr selten telefoniert und nur wenige Kurznachrichten verschickt, zahlt mit einer Prepaid-Karte deutlich weniger, da keine monatliche Grundgebühr anfallen. Bei Vieltelefonieren wiederum ist in den meisten Fällen ein Mobilfunkvertrag die günstigere Alternative, da er von den günstigen Minutenpreisen oder Flatrate-Tarifen profitiert kann.

Die großen Mobilfunkanbieter binden ihre Kund*innen in der Regel immer noch mit 24- Monatslaufzeiten an sich. Nicht mehr zeitgemäß findet das die Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD). Sie schlägt vor, die Vertragsdauer künftig auf zwölf Monate zu reduzieren, heißt es in einer Mitteilung. Der Trend geht noch weiter – in Richtung monatliche bis dreimonatige Kündigungsfristen, inklusive Frei-SMS und einer Festnetz-Flatrate, einer Daten-Flatrate oder gleich mit einer Flatrate für alle Netze, also mit einer sogenannten „Allnet-Flat“. Vorteil: Festpreis ohne versteckte Kostenfallen, zudem ist der Kunde vertraglich nur kurz an seinen Mobilfunkanbieter gebunden und kann ihn zügig wechseln, falls ein Angebot mit besseren Konditionen auftaucht. Und das kann sich durchaus lohnen, denn der Preisverfall auf dem hart umkämpften Mobilfunkmarkt ist fast täglich zu beobachten.

Per Mausklick zum besten Tarif

Wer auf der Suche nach einem neuen Tarif ist, findet sich meist schwer zurecht. Von Anbieter zu Anbieter sind die Unterschiede bei den Smartphone-Tarifen zum Teil sehr groß. Um in dem Tarifdschungel den Überblick zu behalten, gibt es zur Orientierung Vergleichsrechner im Netz. Anhand des persönlichen Telefonierverhaltens und aus der Vielzahl der angebotenen Vertrags- und Prepaid-Tarife versprechen diese Tools den günstigsten ermittelten Tarif. Zu nennen sind hier die großen Preis-Vergleichs-Portale VerivoxCheck24, oder Teltarif. In der Regel sind die Tarife im Netz von Vodafone und der Deutschen Telekom teurer als die Konkurrenz. Dafür bieten die Platzhirsche vor allem in ländlichen Regionen und in vielen Regionen Deutschlands auch im Zug und entlang der Autobahnen eine bessere Netzabdeckung als Tarife im O2-Netz. Zwar landet der Anbieter Telefónica mit seinem O2-Netz in allen Netz-Tests nach wie vor auf dem dritten Platz. Doch der Abstand zu den zwei etablierten Konkurrenten Vodafone und Telekom wird Jahr für Jahr kleiner. In vielen Städten kann das Telefónica-Netz mittlerweile mit den anderen Netzbetreibern mithalten, ist dafür aber oftmals günstiger.

Netzabdeckung auf einen Blick

Die Mobilfunkabdeckung in allen Dörfern, Städten und unbewohnten Gegenden Deutschlands ist erstmals auf einer Online-Karte der Bundesnetzagentur zu sehen. Auf der Webseite ist die Verfügbarkeit der unterschiedlichen Mobilfunkstandards 2G, 3G und 4G (LTE) bis in die Straßen von allen drei Netzbetreibern dargestellt, also von der Deutschen Telekom, Vodafone und Telefónica. Der Karte zufolge sind 96,5 Prozent der Fläche in Deutschland von mindestens einem Netzbetreiber mit 4G (LTE) versorgt. Zukünftig soll auch 5G dazukommen. Die Netze der fünften Mobilfunkgeneration sind derzeit nicht im Aufbau. Am Rande sei bemerkt, dass die Daten der Homepage auf den Angaben der Unternehmen beruhen, die laut Netzagentur nur stichprobenartig geprüft werden.

Online-Kurse erleichtern den Umgang

Nach einer kurzen Einweisung kommen viele technikaffine Senior*innen gut mit der moderne Ausstattung eines Smartphones zurecht. Wer aber noch nicht vertraut im Umgang mit dem flachen Gerät ist, sollten diesen Umstand schnell ändern, denn im Notfall kann ein Mobiltelefon Leben retten – auch das Eigene. Wer also noch nicht in der Lage ist, alle wichtigen Nummern von Verwandten und Ärzten in das Telefonbuch einzuspeichern, damit diese im Notfall schnell erreichbar sind, könnte online Hilfe suchen und einen Kurs der Volkshochschule, des Internetcafé des Frankfurter Verbands (Café Anschluss) oder beim digital-kompass (ein Projekt der BAGSO – Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen), besuchen, um so Schritt für Schritt die Angst vor dem kleinen Alleskönner zu besiegen.

Gefördert aus Mitteln der Stadt und des Jobcenters Frankfurt am Main.

 

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