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Die Chance ergreifen, partizipieren und mitbestimmen:

Im Rahmen der Aktionswochen Älterwerden fand am 7. Juli 2015 in der GFFB Seniorenagentur Frankfurt der Aktionstag zum Thema „Das ist doch noch kein Alter! Meine Zukunft in Frankfurt gestalten“ statt.


Durch den Workshop führte Frau Lea Wissel, Fachanleiterin der Seniorenagentur Frankfurt, die die vierzig Teilnehmenden zunächst dazu aufforderte, in Gruppenarbeiten mögliche Bezeichnungen für ältere Menschen zu sammeln. In einem nächsten Schritt wurden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer gebeten, passende und unpassende Ansprachen für ihre Generation zu diskutieren und die Begriffe zu klassifizieren.

Von 50 bis 100 Jahren – Reden wir hier von einer Generation?

Jede Gruppe notierte auf grünen und roten Karten die Begriffe, die sie als treffend und ansprechend bewerteten und solche, die sie ablehnen. Es ergaben sich hierbei viele Überschneidungen, aber auch interessante Unterschiede in der Selbsteinschätzung und der Bewertung der Einschätzung durch die Gesellschaft. Einigkeit herrschte bei den Begriffen „Seniorin“ und „Senior“, „erfahrener Mensch“ und „reifer Mensch“. Dennoch wurde kontrovers diskutiert, ob eine Bezeichnung über die Kategorie Alter überhaupt sinnvoll ist, da sich die angesprochene Zielgruppe heterogen zusammensetzte und die Interessen und Bedürfnisse vor allem vom Gesundheitszustand abhängen. Denn, so sagte ein Teilnehmer treffend, „man ist nur so alt, wie man sich fühlt“. Manche Organisation oder Initiative betrachte schon die, in der Regel noch berufstätigen 50-Jährigen, als den Seniorinnen und Senioren zugehörig, andere verwenden die Bezeichnung für Personen ab 65 Jahren. Da ein gesunder Mensch mit 50 bis 65 Jahren zumeist noch am Arbeitsleben teilnehme, ließen sich dessen Bedürfnisse in den seltensten Fällen mit denen eines 20, 30 oder 40 Jahre Älteren vergleichen. Genauso wenig bilden die gerade Verrenteten selbst eine homogene Gruppe. Vielmehr sollten Interessen, Eigenschaften und Bedarfe als Kategorienkriterien Beachtung finden, sodass eine für alle Erwachsenen gültige Ein- und Zuordnung stattfände.

Negativ wahrgenommen wurden demnach alle Anreden, die sich ausschließlich auf das Alter konzentrieren wie „der/die Alte“, da der Begriff bereits abwertend Gebrauch fände und dabei der Mensch in den Hintergrund gerate. Weniger gut schnitten auch die Bezeichnungen „Ruheständler“, „Rentner“ oder „Pensionär“ ab, da manch einer auch im Alter noch erwerbstätig ist, einem Minijob nachgeht oder sich nicht als passiven Teil der Gesellschaft versteht, nur weil ihn oder sie kein Erwerbsleben mehr antreibt. Auch der Begriff „Best Ager“ wurde von mancher Gruppe als Selbstbezeichnung gewählt, während anderen die Bedeutung nicht ganz klar war und manch einer ein englisches Wort für den deutschen Sprachraum als unpräzise empfand.

So wurde also festgestellt, dass die Auffassungen auch innerhalb der insgesamt sieben Diskussionsgruppen teilweise stark auseinandergingen. Während einzelne Teilnehmer die Bezeichnungen „Oma/Opa“ als positiv konnotierte Ansprache verstanden, nahmen andere diese als respektlos und unangemessen wahr. Es wurde diskutiert, ob diese Bezeichnung schon deshalb falsch wäre, da nicht alle älteren Menschen auch über Enkelkinder verfügen, sodass sich die positive Wertung dieser Form der Anrede mancher Teilnehmer auf das private, familiäre Umfeld bezog, während eine Anrede von offizieller Seite oder durch die Gesellschaft von Vielen als eher inakzeptabel betrachtet wurde.

Heterogene Gruppe, gemeinsame Interessen?

Auch die nächste Frage sollte darauf abzielen, die Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Eigen- und Fremdwahrnehmung herauszuarbeiten. In Gruppen sollten die Teilnehmer diskutieren, ob und welche Interessen, Hobbies und Bedarfe sie einen oder trennen. Es stellte sich heraus, dass es auch hier viele Überschneidungen gab, aber diese daher rührten, dass Hobbies wie Musik, Literatur, Kochen, Kultur und Natur generell populäre Freizeitbeschäftigungen sind, denen Menschen aller Generationen nachgehen. Vermeintliche Seniorenhobbies gibt es so also nicht. Einigkeit herrschte aber größtenteils bei der Frage nach den Bedarfen: Ausbau und Vergünstigung der öffentlichen Verkehrsmittel, unter anderem auch, um an günstigen, niedrigschwelligen Freizeitangeboten teilhaben zu können. Vor allem diejenigen, die über keinen Frankfurt Pass verfügen, könnten sich die relativ teuren Fahrkarten kaum leisten und sehen Bedarf für die Einführung von Seniorentarifen auch für Einzelfahrten. Außerdem wären Rabatte für den Kauf mehrerer Einzelfahrten, die nicht zeitlich begrenzt sind, der Wunsch vieler Teilnehmer. Aber auch die anderen Personen, die bereits über einen Frankfurt Pass verfügen, klagten über die zu hohen Kosten von 60 Euro, die es ihnen nicht erlauben, alle Veranstaltungen und Angebote zu nutzen, die sie gerne wahrnehmen würden.

Welche Sorgen und Ängste bestehen?

Die Teilnehmenden wurden dann nach ihren Sorgen und Ängsten gefragt. Eine Dame sagte, sie habe keine „frankfurtspezifischen“ Sorgen, aber allgemeine; wie sie zum Beispiel bei Bedarf an günstigen, barrierefreien Wohnraum gelangen könnte, wie sie geeignet vorsorgt oder wer für ihre Pflege später einmal aufkommen wird. Viele andere Teilnehmer wünschten sich außerdem mehr staatliche und öffentliche Unterstützung für die Pflege durch Familienangehörige. Einige pflegen selbst im höheren Alter noch ihre Partner weitgehend selbstständig und bräuchten mehr finanzielle Hilfe durch Bund und Länder. Weiterhin wurde auch über den Dauerbrenner der Seniorenthemen gesprochen: Günstiger, zentraler und barrierefreier Wohnraum. Nach wie vor gäbe es deutlich mehr Bedarf als Wohnraum, aber das Thema seniorengerechtes Wohnen werde vieldiskutiert und war deshalb wohl auch nicht Hauptaugenmerk der meisten Teilnehmer des Workshops. Außerdem wohnen viele in eigenen Wohnungen oder in Wohnanlagen für Senioren, wodurch die Not zur Suche nach geeignetem Wohnraum für viele im Moment nicht gegeben ist. Hürden oder Hemmnisse gäbe es außerdem im Bereich der Computertechnik und Informationstechnologie.

Amtsbesuch – Hürdenlauf oder Hilfestellung?

Verbesserungen wünschten sich die Senioren auch bei Behörden und Amtsgängen. Vor allem Letztere entfachten eine hitzige Diskussion. Besonders ein Fall erregte in der Runde großes Aufsehen: Eine Seniorin berichtete, sie wäre nach ihrer Beschwerde auf einem der hiesigen Ämter von einer Beamtin wortwörtlich mit der Frage abgewiesen worden: „Meinen Sie, dass Sie in ihrem Alter noch Rechte haben?“. Nach anfänglicher Empörung wurde von einem anderen Teilnehmer aber darauf hingewiesen, dass diese Geschichte hoffentlich ein befremdlicher Einzelfall war und eigentlich eine Dienstaufsichtsbeschwerde nach sich ziehen sollte. Während die einen von ihren teilweise sehr ernüchternden Erfahrungen auf Ämtern berichteten, meinten andere, dass dies eine Pauschalisierung sei, die inkompetenten Beamten zuzuschreiben wäre. Andererseits wurde von Vielen betont, dass es nötig sei, sich entsprechend zu informieren, gründlich vorzubereiten und bestmöglich einen Zeugen als Begleitung mitzunehmen, um seine Anliegen adäquat geltend machen zu können. Wiederum wurde in diesem Zuge auch einvernehmlich festgestellt, dass hierzu nicht jeder die Kapazitäten habe. Es wurde also deutlich, dass manche eine gewisse Scheu, wenn nicht sogar Angst, vor Amtsbesuchen haben, weil sie fürchten nicht ernstgenommen oder sogar verbal angegangen zu werden. Kontrovers diskutiert wurde auch, ob das Misstrauen begründet ist oder vielleicht auch nur daher käme, dass mancher unvorbereitet nicht durchsetzen konnte, was er sich erhofft hatte oder es einfach personell mit einem „schwarzen Schaf“ zu tun hatte. Als Hinweis für zukünftige Amtsbesuche wurde der Verein „Die Mitläufer“ empfohlen, der zu Amtsbesuchen begleitet und Beistand leistet. Generell war vielen Teilnehmerinnen und Teilnehmern nicht klar, wo sie sich informieren können, welche Stelle für welches Anliegen verantwortlich ist. Viele Angebote der Stadt hatten diejenigen, die sich nicht proaktiv auf dem Laufenden halten, nicht erreicht. Vor allem der Hinweis auf die vielen Angebote der Leitstelle Älterwerden und die Möglichkeit zur Teilnahme an der Bürgersprechstunde sowie die Angebote des Sozialverbands VdK Deutschland wurden zum Teil begeistert aufgenommen. Es wurde der Wunsch geäußert, dass die Seniorenagentur Frankfurt Vertreter der einzelnen Behörden und Initiativen zu den kommenden Seniorennachmittagen einlädt, sodass auch diejenigen Informationen erhalten, die bislang nicht die Webseite der Seniorenagentur oder ihrer Netzwerkpartner nutzen.

Frankfurt heute und gestern

Weiterhin wurde die Frage aufgeworfen, was heute besser ist in Frankfurt, was sich im Laufe der Zeit zum Negativen entwickelt hat und wie die Teilnehmerinnen und Teilnehmer das Älterwerden in ihrer Stadt in Bezug auf Infrastruktur, Soziales und Versorgung empfinden. Neben allgemein zu kritisierenden Umweltveränderungen wie der Verschlechterung der Luft, durch viele Billigflüge und das erhöhte Verkehrsaufkommen, mehr Müll oder auch Anonymität aufgrund des ständigen Wachstums der Stadt, wurde auch eingeworfen, dass es früher weniger Kriminalität, Vandalismus und mehr Hilfsbereitschaft gegeben hätte. Ein Teilnehmer schüttelte den Kopf und stellte treffend fest, dass sich zwar die Stadt, aber vor allem der Blickwinkel der Kritiker auf sie verändert hat. Heute hätten die Teilnehmer ganz andere Ansprüche und Bedarfe an die Stadt als vor 30, 40 oder gar 50 Jahren. In diesem Zuge wurde auch betont, dass sich die Situation für Seniorinnen und Senioren im Allgemeinen stark verbessert hat. Vor allem im Bereich der barriefreien Mobilität sowie der Informations- und Betreuungsangebote, hätte die Stadt heute ein sehr viel besser ausgebautes Netz, als noch vor wenigen Jahren. Zum einen sei ein Teil der Innenstadt autofrei geworden, mehr Fahrradwege entstanden und der öffentliche Nahverkehr nahezu lückenlos barrierefrei geworden. Davon profitierten nicht nur Senioren, sondern auch Mütter mit kleinen Kindern und Menschen mit Behinderungen. Zum anderen gäbe es sehr viel mehr private und öffentliche Hilfs- und Unterstützungsangebote, die sich für die Belange von Seniorinnen und Senioren einsetzen. Auch technische Entwicklungen, wie zum Beispiel die erst vor wenigen Jahren eingeführten Touchscreens auf den Fahrkartenautomaten, wurden nicht nur kritisiert. Es gäbe von der VGF, wie auch dem RMV und der Deutschen Bahn, überall Informationen, Ansprechpartner, Services und sogar Einführungskurse, die es Unerfahrenen ermöglichen sollen, von allen neuen Angeboten und Dienstleistungen zu profitieren. Besonders der Fahrgast-Begleitservice des VGF wird als sehr positiv beschrieben. Ein Teilnehmer ergänzte zudem, dass die Situation in Frankfurt im deutschlandweiten und auch europäischen Vergleich – er selbst hatte als Rollstuhlfahrer zeitweise in Düsseldorf und Istanbul gelebt –, viel besser sei. Er verstehe deshalb auch nicht, woher die Kritik an kaputten Rolltreppen und Aufzügen rühre, da es nicht möglich sei, dass alles immer einwandfrei funktioniere. Er habe das Gefühl, dass viel dafür getan würde, dass ältere Menschen oder solche mit Behinderungen überall Zugang erhalten und, dass er viel Gemecker auf hohem Niveau höre. Ein weiterer Teilnehmer stimmte ein, dass sich Frankfurt, außer im Bereich der Mietpreisentwicklung, seit den 60er Jahren in jeder Hinsicht verbessert habe. Insgesamt würde mehr Rücksicht auf die Bedürfnisse der Schwächeren in der Gesellschaft genommen werden.

Viele Beteiligungsmöglichkeiten und Veranstaltungen für Senioren

Auch die Perspektiven der Seniorinnen und Senioren würden mehr Gewicht erhalten, was man auch an Veranstaltungsangeboten wie dem Workshop merke. Veranstaltungen privater, öffentlicher und caritativer Initiativen würden heute viel mehr quantitativ und qualitativ hochwertige Angebote zur Verfügung stellen. Man könne zwar schnell den Überblick verlieren, aber es gelte auch ein wenig Eigeninitiative zu zeigen und nach seinen eigenen Interessen auszuwählen. Vor allem generationsübergreifende Freizeitangebote wie Flohmärkte und Straßenfeste kämen den Interessen der Teilnehmenden entgegen, da sie den Zusammenhalt im Quartier und so der Nachbarschaft stärken und die Anonymität des großstädtischen Lebens aufbrechen. Kritisiert wurde von einer Diskutantin, dass die Standmieten des Flohmarkts zunehmend unerschwinglich werden und die Kommerzialisierung der Straßenfeste mit „einer Fressbude, neben der anderen“, auch nicht das Ideal darstellen würden. Eine der Teilnehmerinnen schlug die eigene Organisation eines Straßenfestes vor, als sich eine andere Person über die Anonymität und fehlende Hilfsbereitschaft ärgerte. Sie selbst war zu ihren Nachbarn gegangen und hatte sie ganz einfach gefragt, ob diese ihre Idee und Organisation eines Straßenfests unterstützen würden. Mittlerweile kenne man sich und unterstütze sich gegenseitig, wenn irgendwo mal Hilfe gebraucht wird. Auch Gartenprojekte, wie der Frankfurter Garten oder das Projekt GrünTöne fanden großen Anklang, bei denen sich viele der teilnehmenden Seniorinnen und Senioren ehrenamtlich betätigen. Frau Stindt, eine Mitarbeiterin der GFFB, die den Workshop unterstützend begleitete, wies auch auf die Möglichkeit der Beteiligung am GFFB-Projekt „Mitmach-Garten“ hin. Auch hier kommen alle Interessierten zusammen, um gemeinsam am Gartenprojekt mit seniorengerechten Hochbeeten zu arbeiten.

Mehr Miteinander!

Die letzte Frage beschäftigte sich mit den Zielen und Wünschen der Seniorinnen und Senioren. Nachdem vor allem allgemeine Punkte, wie „weniger Autos, mehr Radwege“ genannt wurden, forderten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mehr Förderung das Miteinander der Generationen und die Schaffung weiterer generationsübergreifende Angebote. Denn, so fasste eine Seniorin die Ergebnisse des Anfangs zusammen, die Interessen und Hobbies unterschieden sich kaum. Aber nicht nur das Miteinander der Generationen, sondern auch das Miteinander der Kulturen solle gestärkt werden. Deutschstämmige Seniorinnen und Senioren sprachen sich ebenso wie diejenigen mit Migrationshintergrund für mehr Vermischung der Gruppen aus und wünschten sich mehr wechselseitiges Interesse. Es wurde festgestellt, dass ältere Migrantinnen und Migranten größtenteils in Gruppen mit Mitgliedern aus ihren Herkunftsländern verbleiben würden und wenig ermuntert würden, auch alle anderen Angebote zu nutzen. Dies wurde von allen Seiten als schade empfunden. Deshalb wurde begrüßt, dass bei dem Workshop der Seniorenagentur Frankfurt eine vielfältige Gruppe, mit unterschiedlichsten Perspektiven zusammenkam. Es sei vor allem wichtig, dass man nicht den Blick für den anderen und dessen Perspektive verliere, sondern Interesse am Leben behält. Ganz in diesem Sinne hatten sich die Teilnehmer in der Diskussion sehr engagiert gezeigt und viele Wünsche für ihre Zukunft in Frankfurt formuliert. Eine Teilnehmerin formulierte es abschließend so: „Ich will immer neugierig bleiben und teilnehmen am Leben“. Sie und ihr Ehemann sind nicht nur neugierig und teilnehmend, sondern echte Helden: Sie engagieren sich regelmäßig in Frankfurter Kinderkliniken und wurde mit dieser beeindruckenden Geschichte auch für das Fotoshooting ausgewählt, das im August stattfindet wird.

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