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 Wie greift die Reform in der Praxis?

PflegebegleiterInitiative

Seit 1. Januar 2015 gelten nach dem Pflegestärkungsgesetz höhere Leistungsbeiträge in der Pflege. Welche Unterstützung bringt die Reform pflegenden Angehörigen und Freunden? Wie können Pflegende die Leistungen in Anspruch nehmen? Sind alle Lücken geschlossen?
Die Seniorenagentur Frankfurt fragt nach.


Interview mit Gisela Boywitt
  (Pflegebegleiterin) und
Marlies Ritter (Projektinitiatorin) der

Pflegebegleiter-Initiative Frankfurt für pflegende Angehörige und Freunde
in Kooperation mit dem Frankfurter Verband für Alten-und Behindertenhilfe e.V.


Frau Boywitt, Frau Ritter: Was fehlt im Kalkül und muss aus Ihrer Sicht dringend ergänzt werden?
Nach unserer Meinung müsste noch mehr finanzielle Unterstützung bei verschiedenen Angeboten von neuen Wohnformen gewährleistet werden. So würde die Pflege auf mehreren Schultern verteilt, pflegende Angehörige spürten eine große Entlastung und die Pflegebedürftigen müssten nicht auf ihre Privatsphäre und eine gewisse Eigenständigkeit verzichten.

Sehen Sie eine echte Entlastung für pflegende Angehörige? Reichen die Maßnahmen aus?
Im Vergleich zum vorherigen Gesetz bietet das Pflegestärkungsgesetz einige finanzielle Möglichkeiten, um pflegende Angehörige zu entlasten. Doch Geld alleine reicht nicht aus, um den Pflegealltag zu bewerkstelligen. Pflegende Angehörige und Freunde brauchen eine psychosoziale Begleitung. Sie benötigen Gesprächspartner, die ihnen zuhören, sie in ihrem Tun wertschätzen, ihnen in schwierigen Situationen zur Seite stehen und sie dabei stärken auch in einer Pflegesituation eigene Bedürfnisse und Wünsche leben zu dürfen, ohne dabei ein schlechtes Gewissen zu haben. Die Anerkennung der Pflege in der Familie muss in den Mittelpunkt unserer Gesellschaft gestellt werden. Pflegende Angehörige und Pflegebedürftige dürfen nicht ausgegrenzt und somit isoliert werden. Sie gehören in unser gesellschaftliches Gemeinschaftsleben. Wir alle tragen Mitverantwortung bei der Pflege zuhause. Wir müssen alle bei dem Aufbau einer neuen Sozial-und Pflegekultur Verantwortung übernehmen und die Nachbarschaft in unserem Wohnumfeld wieder pflegen. Wir Pflegebegleiter wollen mit unserem freiwilligen Einsatz dazu beitragen, dass diese gesellschaftliche Aufgabe gelingt.

Was müssen Pflegebedürftige oder ihre Angehörigen tun, um in den Genuss der höheren Leistungen zu kommen? 
Pflegende Angehörige müssen überlegen, welche Unterstützung sie für den täglichen Pflegealltag benötigen. In dieser Phase können sie sich an uns Pflegebegleiter wenden. Gemeinsam planen und bauen wir mit ihnen ein Unterstützungsnetzwerk in ihrem nahen Wohnumfeld auf. Wir weisen darauf hin, welche Leistungsmöglichkeiten es gibt und bei welchen professionellen, sowie  ehrenamtlichen Organisationen diese Leistungen beantragt werden können (z.B. den Pflegestützpunkt, das Rathaus für Senioren, die Pflegekassen usw.). Wenn sie es wünschen, begleiten wir die pflegenden Angehörigen auch zu den einzelnen Organisationen. Unser Anliegen ist, pflegende Angehörige so weit zu unterstützen und zu stärken, dass sie ihren Pflegealltag für sich selbst entlastend gestaltet können.

Was ist Ihrer Meinung nach der größte Gewinn des Pflegestärkungsgesetzes?
Als sehr positiv anzusehen ist, dass in dem Pflegestärkungsgesetz die Kurzzeitpflege auch für die Pflegestufe 0 (mit Demenz) möglich ist. Mit dem nicht verbrauchten Leistungsbetrag der Verhinderungspflege kann die Kurzzeitpflege aufgestockt werden.  Statt vier Wochen können acht Wochen beantragt werden. Begrüßenswert ist auch, dass die Verhinderungspflege aufgestockt werden kann, mit bis zu 50 % des Leistungsbetrages der Kurzzeitpflege (max. 806 €). Bis zu sechs Wochen statt bisher vier Wochen kann sie beansprucht werden.
Sehr entlastend für die pflegenden Angehörigen ist, dass die teilstationären Leistungen für Tages-und Nachtpflege jetzt auch Pflegebedürftige mit der Pflegestufe 0 (mit Demenz) erhalten. Die teilstationären Leistungen können ab 1. Januar 2015 neben den Pflegesachkosten und dem Pflegegeld in vollem Umfang in Anspruch genommen werden.
Die neuen gesetzlichen Bestimmungen in der Kurzzeitpflege, der Verhinderungspflege und der teilstationären Leistungen für Tages-und Nachtpflege bieten den pflegenden Angehörigen eine Entlastung für ihren Pflegealltag. Die Sorge um den Pflegebedürftigen in den Situationen, wenn ich krank bin, zum Entspannen in den Urlaub fahren möchte, an drei Tagen in der Woche meiner Arbeit nachgehen muss, wird minimiert. Eine flexible Inanspruchnahme der Entlastungsmöglichkeiten entspricht jetzt eher dem realen Pflegealltag. Es ist ein kleiner Schritt für berufstätige pflegende Angehörige, Pflege und Beruf miteinander zu verbinden.
Die wohnumfeldverbessernde Maßnahmen wurden von 2557 € auf 4000 € erhöht. Mit diesem angestiegenen Leistungsbetrag kann der Wohnbereich für den Pflegebedürftigen wie auch für den pflegenden Angehörigen so gestaltet werden, dass eine Erleichterung in der Pflege gewährleistet werden kann.

Das Pflegestärkungsgesetz: Höhere Leistungen der Pflegekasse seit 01. Januar 2015

 




 

 

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