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Die Anzahl den älteren Migrantinnen und Migranten in Deutschland und auch in Frankfurt am Main steigt ständig. Viele kamen hier in den Jahren zwischen 1950 -1970 an und haben hier oft schwer gearbeitet. Meist in schlecht bezahlten Stellen, was dazu geführt hat, dass sie nur eine kleine Rente bekommen. Andere sind später gekommen und haben entweder wenig oder gar nicht gearbeitet und sind jetzt im Alter auf die Sozialhilfe angewiesen. Jeder von diesen Menschen hat in seinem Herkunftsland gelernt und gearbeitet und hat schon bestimmte Vorstellungen über das Leben, die Welt und Leute. Für viele ist Migration eine Entwurzelung, massiver Kulturbruch und Identitätsverlust. Einigen fällt es schwer, sich an die andere Umgebung anzupassen und mit einer anderen Mentalität, Religion und Sprache, Welt- und Lebensansicht zurechtzukommen. Die meisten Migranten werden in Deutschland im Beruf eine Stufe niedriger einsteigen.

Integration auf dem Weg
Die Mehrheit der Migranten will sich integrieren. Zuwanderer und Deutsche mit ausländischen Wurzeln identifizieren sich laut einer Studie in hohem Maße mit Deutschland. Eine große Mehrheit ist bereit, sich anzupassen. In einer Studie von Sabine Pokorny der Konrad-Adenauer-Stiftung heißt es: „Integration findet statt, sie dauert nur eben eine Weile".

In dem Maße, wie man sich mit dem Land, in dem man wohnt, identifiziert oder integriert hat, verhält man sich auch entsprechend. Oft trauen sich ältere Migranten nicht, um Hilfe zu bitten. Der Grund dafür sind mangelnde Sprachkenntnisse, auch mangelnde Kenntnisse über die Strukturen, Organisationen, Aufgaben von Gemeinden, Krankenkassen, Vereine und Vielem mehr. Aber auch Misstrauen und Angst, falsch verstanden zu werden, sowie wenige oder keine sozialen Kontakte.

Hindernisse und Barrieren
Die Hindernisse, die Migrantinnen und Migranten den Zugang zu Einrichtungen der Altenhilfe erschweren, sind beispielsweise direkte Barrieren wie mangelnde Sprachkenntnisse. Aber auch indirekte Barrieren, wie die Unkenntnis des Altenhilfesystems oder die wegweisende und ethische Erwartungshaltung auf Seiten der älteren Migrantinnen und Migranten (z.B.: die Pflege sollte innerhalb der Familie gewährleistet sein) machen es noch schwerer. Auch die Angst vor rechtlichen Konsequenzen bei Annahme von Leistungen des Altenhilfesystems, z.B. bei einer befristeten Aufenthaltsgenehmigung, kann bei ihnen zum Verzicht auf Leistungsansprüche führen. In dem Maße, wie man sich mit dem Land, in dem man wohnt, identifiziert oder integriert hat, verhält man sich auch entsprechend.

Bei der Vorsorge lässt sich beobachten, dass Migranten noch immer schwach vertreten sind, sei es bei Impfungen, Reha oder Zahngesundheit. Eine besondere Herausforderung im Gesundheitssektor birgt auch die übernationale Gestaltung des Ruhestandes vieler älterer Menschen mit Migrationshintergrund. Da sie zwischen Deutschland und ihrem Herkunftsland pendeln, ergeben sich viele gesundheitsrechtliche Fragen und Schwierigkeiten.

Kultursensible Pflege
Nach den Berichten vom Forschungsteam bringt die Demenz für ältere Migranten und ihren Familien eine große soziale Herausforderung mit sich, die meist jemand aus der Familie übernimmt (meistens kümmern sich die Frauen um den Betroffenen). Wird die Pflege doch von einer Einrichtung oder professionellen Pflegern übernommen, ist interkulturelle Kompetenz und Kulursensibilität notwendig. Wenn der Pfleger oder die Pflegerin nicht aus der gleichen Kultur wie die Gepflegten kommt, sollte er sich die Kultur, Religion und Sitten der gepflegten Person Informationen holen und das mit Respekt bei der Pflege berücksichtigen. Zum Beispiel, dass bei manchen Kulturen Schweinefleisch nicht gegessen wird, oder in der Wohnung überhaupt ohne Schuhe gelaufen wird. Oder dass jemand will, dass die Haushaltshilfe die Gerichte aus ihrem eigenem Land kochen kann, die Hygieneregeln bei der Verarbeitung von Fleisch und Fisch, die bei der bestimmten Kultur üblich sind, berücksichtigt und sich mit den Einkäufen von landesspezifischen Lebensmitteln und Gewürzen auskennt.

Video zur kultursensiblen Pflege

Hilfsangebote

-Das Amt für Multikulturelle Angelegenheiten der Stadt Frankfurt am Main kümmert sich auch um ihre älteren Mitbürger mit Migrationshintergrund und unterstützt verschiedene Einrichtungen, die den Migranten behilflich sind.

-Die Caritas bietet im Rahmen des Projektes "Wegbegleiter und Interkulturelle Öffnung" ehrenamtliche Begleitung zu Ämtern, Ärzten, Behörden. Sie stehen als Vertrauenspersonen älteren Italienern, Spaniern, Portugiesen, Iranern, Afghanen und Bürgern aus dem früherem Jugoslawien in Frankfurt zur Seite. Zurzeit sind es 20 Frauen und Männer verschiedenen Alters, die ehrenamtlich beschäftigt sind. Angeboten werden die Sprachen Italienisch und Spanisch, Farsi und Dari, Serbo-Kroatisch und chinesisch.

Weitere Angebote für Ältere Migrantinnen und Migranten in Frankfurt finden Sie hier in der Datenbank des Soziallotsen.

Text: Faina Gubermann