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Serie: Digitale Chancen

Smarte Helfer im Alltag: Digitale Pillendose

2 Pillen morgens, 3 mittags, 1 abends, 3 x die Woche ein weiteres Medikament – wer auf Arzneien angewiesen ist und mehrere Medikamente einnehmen muss, die in ihrer Wirkungsweise unter Umständen auch noch aufeinander abgestimmt sind, kann leicht den Überblick verlieren. Unterstützung versprechen intelligente Pillendosen, die entweder über eine Smartphone-App oder selbständig gesteuert an die Einnahme erinnern und diese auch gegebenenfalls kontrollieren.

Hohe Gesundheitskosten durch falsch und nicht eingenommene Medikamente
Falsch oder nicht eingenommene Medikamente gefährden nicht nur die Gesundheit der Patienten, sondern kosten auch das Gesundheitssystem viel Geld. Eine Studie des Marktforschungsinstitutes IMS Health zufolge belastet die falsche Medikamenten-Einnahme das Gesundheitssystem mit im Jahr durchschnittlich mit 13 Milliarden Euro. Analysen bestätigen, dass weit über die Hälfte aller Seniorinnen und Senioren in Deutschland schon einmal vergessen hat, Medikamente nach Plan einzunehmen. Das sagen zum Beispiel 60 Prozent der Teilnehmer einer aktuellen Umfrage im Auftrag des Krankenhausbetreibers Asklepios. Besonders verheerend wird die falsche Medikamenteneinnahme, wenn Wirkstoffe exakt aufeinander abgestimmt eingenommen werden müssen. Fehlende alltägliche Rituale sowie eine beginnende oder fortschreitende Demenz machen es Älteren zusätzlich schwer, Medikamente exakt nach Verordnung einzunehmen. Häufig kann auch nicht mehr erinnert werden, ob das entsprechende Medikament bereits eingenommen worden ist - oder nicht.

Die smarte Pillendose
Bisher eingesetzte Plastikdosen mit Wochen- oder Monatseinteilung haben Nachteile: Die Medikamente können zwar im Vorhinein sortiert werden, aber sie erinnern die Patienten nicht an die Einnahme. Und damit wird sie häufig vergessen. Die Einnahme nachzuholen kann gefährlich werden.

In der Entwicklung erproben die Unternehmen Mechatronic und Balda aus Darmstadt beziehungweise Bad Oeynhausen eine smarte Pillendose, die allerdings noch nicht auf dem deutschen Markt zu haben ist. Der Smart Drug Dispenser soll dafür sorgen, dass Patienten die richtigen Tabletten am richtigen Tag zur richtigen Uhrzeit nehmen – ohne eine Dosis zu vergessen. Dazu koppelt man den intelligenten Tablettendosierer mit dem Smartphone. Über eine App programmiert der Arzt, Pfleger, Patient oder ein Angehöriger Anzahl und Zeitpunkt der einzunehmenden Medikamente. Die Idee: Der Drug Dispenser könnte beispielsweise in der Apotheke bestückt werden.

Das Gerät übernimmt den Dosierungsplan und gibt die Medikamente per Knopfdruck aus. Die Smartphone-App erinnert den Benutzer an die Einnahme – per Meldung auf dem Display und mit einem akustischen Signal. Und zwar solange, bis der Patient die Pillen entnommen hat. Auf Wunsch geht zusätzlich die Benachrichtigung „Dosis eingenommen“ an Therapeuten oder Familienmitglieder. Danach sperrt das Gerät die Ausgabe bis zum nächsten Termin. Damit soll es Unter- oder Überdosierung verhindern.Noch ist unklar, ob der Drug Dispenser frei verkäuflich, über Verordnung, Krankenkassen oder Apotheken vertrieben werden soll.

Verfügbare Helfer
Die klassische Plastikbox smart weiterentwickelt ist praktisch der „medMinder“ aus den USA. Die 28 Kammern in der Plastikbox machen eine Vorsortierung der Medikamente für vier Wochen möglich. Die Box kommt ganz ohne Smartphone aus und öffnet – gekoppelt mit einer Erinnerungsfunktion jeweils die Box mit der einzunehmenden Arznei. Der Nachteil: Mit einem Mietpreis zwischen 38 bis 58 Euro ist die smarte Pillenbox recht teuer.

Mit dem elektronischen Tablettenspender „DoseControl“ der Firma MCSystems ist ein relativ günstiges Gerät auf dem deutschen Markt. Allerdings können hier die Medikamente nur nach Tagen, nicht nach Tageszeiten eingeteilt werden.

Das Smartphone als Pillendose
Wer sich das Geld für eine smarte Pillendose sparen möchte, kann alternativ das Smartphone als Gedächtnisstütze nutzen. Entsprechende Apps wie „Medisafe“, „Meine Pillbox“ oder „Tabletten Erinnerung“ bieten genau für diese Aufgabe spezielle Funktionen. Allerdings sind sie allein für die Erinnerung zuständig. Die Einnahme der Tabletten muss dann selbsttändig erfolgen. Seniorinnen und Senioren müssen es auch gewohnt sein, mit dem Smartphone umzugehen. Die Apps simulieren eine Tablettendose auf dem Display, unterstützen die Eingabe mit einer riesigen Medikamentendatenbank und kommen selbst mit komplexen Einnahmeregeln zurecht. Einige – wie etwa „Medisafe“ – beziehen auch andere Personen mit ein, die die Erinnerung dann ebenfalls erhalten.

Die Medikamenteneinnahme digital zu steuern ist für den normalen Hausgebrauch noch Zukunftsmusik – allerdings mit guten Perspektiven. Gerade eine Kombination aus Pillendosen mit ausreichender Kapazität, die in der Apotheke bestückt werden und zuverlässig an die Einnahme der erforderlichen Arznei zur exakten Uhrzeit erinnern, können den Alltag von Patienten entlasten, sie in der Selbstständigkeit unterstützen und dafür Sorge tragen, dass notwendige Medikamente exakt nach Verordnung eingenommen werden.

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