Tauben in Not

In Frankfurt gehören Tauben zum täglichen Stadtbild. Was sich für viele Passanten als liebenswerter Bestandteil des Großstadtlebens darstellt, ist für andere schlichtweg eine Plage. Denn Taubenkot und festgetretenes Vogelfutter säumen oftmals das Straßenbild. Was tun?

Foto Von Tauben Thront Auf Betonpflaster
Foto: Levent Simsek/Pexels

„Guru guru guru, drei weiße Tauben auf unserem Dach, drei weiße Tauben, die halten mich wach“, sang einst schon die österreichische Pop-Rock-Band „Erste Allgemeine Verunsicherung“ und beklagte dabei die unangenehmen Hinterlassenschaften der Vögel in ihrem Song. Bis heute erhitzt das Thema Stadttauben die Gemüter, denn Fakt ist, dass die Überpopulation der Tauben für Hauseigentümer*innen, Anwohner*innen und für die Verwaltung der Stadt Frankfurt zu einem echten Problem geworden ist. Und selbst die Tauben leiden, finden sie kaum mehr artgerechte Nistmöglichkeiten. Um die Schäden und die Verunreinigungen durch die Vögel zu begrenzen, „gilt in Frankfurt bereits seit 1970 ein generelles Fütterungsverbot, das mit einem Bußgeld von 100 Euro geahndet werden kann“, heißt es offiziell. Laut dem aktuellen Bußgeldkatalog werden bei Verstoß in der Mainmetropole mittlerweile sogar bis zu 200 Euro verlangt. Im Vergleich zu anderen deutschen Städten wie etwa Hamburg, Stuttgart und Braunschweig mit jeweils 5.000 Euro Bußgeld, ist das ein Schnäppchenpreis. So sieht man  immer wieder, wie Mitbürger*innen in Frankfurt aus falsch verstandener Tierliebe ganze Tüten mit Körnern oder Brot auf die Straße leeren.

Mit dem Falken auf die Jagd

Dabei geht die Stadt Frankfurt mit einem umfangreichen Programm gegen die Taubenplage vor. Inhalte des Ablaufplans ist unter anderem die gezielte Entnahme von Eiern aus Taubennestern, das Aufstellen von Abwehrgittern, der Einsatz von Nägeln und Drähten sowie die Verfütterung von Hormonpräparaten. Auch die Ansiedelung von Greifvögeln als natürliche Feinde der Tauben gehört seit Jahren dazu. So haben vor allem Wander- und Turmfalken und sogar Mäusebussarde ihre neuen Reviere in der Stadt, heißt es in einem Frankfurter Allgemeine Artikel. In London wurde diese Maßnahme bereits erfolgreich am Trafalgar Square eingesetzt. Zusammengefasst soll die Taubenabwehr der Umwelt, der Erhaltung der Gesundheit und der Bausubstanz dienen.

Taubenkot an der Alten Brücke

Um die Stadtverwaltung mit der Taubenpopulation nicht alleine zu lassen, kümmert sich auch das „Stadttaubenprojekt“ um das Tierproblem. Die Kampagne kostet allerdings Geld. So fehlen dem gemeinnützigen Verein derzeit so manche Euros, um die Kasse zu füllen. Auch sei die Spendenbereitschaft rückläufig, klagt Gudrun Stürmer, Vorstand des Vereins mit Sitz in City-West. Der Einrichtung, die sich für einen tierschutzgerechten Umgang mit der Taubenpopulation einsetzt, gehe es derzeit finanziell schlecht, dabei werde im Stadttaubenprojekt keine Brieftaube fliegen gelassen, „sondern man sorge zu 65 bis 70 Prozent für eine Entlastung der städtischen Verwaltung“, wird Stürmer in der Frankfurter Rundschau (FR) zitiert.  So sammle man Kot auf, etwa am Parkhaus am Gericht, an der Brücke am Dahlbergkreisel in Höchst, am Hafentunnel, am Westbahnhof und an der Hauptwache. An der Alten Brücke etwa kämen dabei alle 14 Tage etwa 20 Kilo Kot zusammen. Jährlich summiere sich die Entsorgung auf rund 21.500 Euro. Zusätzlich fielen monatlich an die 6.200 Euro für die drei Hauptamtlichen, für Futter, einen Tierarzt und Benzin an, rechnet Stürmer weiter vor. Die Stadt unterstütze das Projekt mit jährlich 20.000 Euro. Zu wenig. Zwar würden viele Bürger*innen mit Spenden aushelfen. Doch seien diese rückläufig. Auch sagten viele, das Taubenprojekt engagiere sich für die Stadt, da müsse auch die mehr für den Verein tun. Stürmer weist darauf hin, dass die Stadt Frankfurt viel Geld in die Verkleidung von Brücken investiere, um die Tauben dort vom Brüten abzuhalten. Alleine an der Galluswarte seien in der Vergangenheit rund 350.000 Euro ausgegeben worden. Die Vögel würden dort aber nach wie vor nisten.

Zum Verständnis: Stadttauben zählen zu den wildlebenden Tieren, die sich in der Umwelt frei bewegen und versorgen können. Sie sind weder artenschutzrechtlich geschützt noch unterliegen sie dem Jagdrecht. Durch ihre Angepasstheit an urbane Umweltbedingungen kommt es in der Stadt zu lokal begrenzten, größeren Populationen der Tauben. Erst wenn ein Schwarm von mehr als zehn Tieren auf 100 Quadratmetern auftaucht, zählten sie jedoch als Schädlinge, und nur, wenn nachgewiesene Gründe der Arbeitssicherheit, des Gesundheits- oder Denkmalschutzes vorliegen, heißt es dazu.

Gesundheitliche Risiken 

Bei massivem Auftreten können die Tauben neben den materiellen Schäden zudem ein gesundheitliches Risiko für die Frankfurter*innen werden. Exkremente, Federn und Schmutz von den Vögeln, die in höhergelegenen Bereichen von Gebäuden hausen, können dort verpackte oder gelagerte Lebensmittel verunreinigen. Die Verunreinigung beginnt bereits im Warenlager und kann sich von dort aus ausbreiten. „Flöhe, Zecken, Milben und andere Ektoparasiten siedeln in großer Zahl in Nestern sowie deren Umgebung und überall dort, wo sich Exkremente ansammeln. Diese Parasiten können in das Gebäudeinnere gelangen und unter Umständen Krankheiten auf den unterschiedlichsten Wegen verbreiten. Daher ist es wichtig, Gebäude proaktiv mit einer effektiven Taubenabwehr auszustatten, so dass eine Taubenkotbeseitigung nicht notwendig wird“, berichtet der Hamburger Schädlingsbekämpfer Anticimex aus seiner Praxis.

Foto: Eva Elijas/Pexels

Erkennen und verscheuchen

Geht es nach den Schweizer Forscher*innen-Team der École Polytechnique Fédérale de Lausanne, kurz EPFL, dann könnte die Bekämpfung der Tauben völlig autonom mit Drohnen erfolgen. Die Flugroboter harren demnach zuerst auf dem Dach aus, um erkannte Tauben dann anzufliegen und zu verscheuchen. Die Wissenschaftler*innen überprüften anschließend die Wirksamkeit ihres Systems und vergleichen die Verweilzeit von den Taubenschwärmen ohne und mit Einsatz der Drohne miteinander. Dazu beobachteten sie das natürliche Verhalten der Tauben 21 Tage lang, ohne Drohneneingriff. Danach lassen sie das System fünf Tage eigenständig agieren und messen jeweils die Verweildauer der Tauben. Das Resultat ist bitter für die Vögel: Ohne Drohne chillen die Tauben demnach bis zu 2,5 Stunden auf ihrem Dach, mit Drohne wird die Ruhe vor dem fliegenden Ungeheuer auf wenige Minuten reduziert, heißt es vereinfacht übersetzt in der Anleitung zu dem automatischen Taubenabwehrsystem.

Wirkungslose Taubenabwehr

Ein weiteres Mittel zur Taubenabwehr sind Greifvogelattrappen aus Plastik. Allseits bekannt ist der schwarze Rabe, den man oft vor Geschäften in Fußgängerzonen oder auf den Balkons von Privatwohnungen sieht. Diese Plastikvögel sollen den natürlichen Fluchtinstinkt der Tauben wecken und sie fernhalten. Das gelingt jedoch meist nur für eine sehr kurze Zeit. „Denn auch Tauben sind nicht dumm. Sie merken nach einigen Tagen, dass sich hinter dem vermeintlichen Feind keine Gefahr verbirgt. Der Schreck ist schnell vergessen. Teilweise setzen sich die Tauben auf die Raben-Imitate und bedecken sie mit Kot. Ob man nur einen einzigen Kunststoffraben oder gleich mehrere einsetzt, macht keinen Unterschied. Das Mittel erweist sich als nicht effektiv aber teuer“, weiß der Branchenkompass Frankfurt zu berichten. Selbst die berühmte Vogelscheuche, die auf Feldern eingesetzt wird, habe nur eine sehr kurzzeitige Wirkung.

Vielversprechender dürften letztendlich dann doch die Bemühungen der Stadt Frankfurt sein, die das Nisten „an relevanten Stellen“ selbst unterbinden will. Betreute Taubenschläge seien eine gute Lösung für die Eindämmung. Deshalb werde das „Stadttaubenprojekt“ weiterhin unterstützt. Es werde also versucht, die Tiere an einen Taubenschlag zu binden, in welchem dann ihre Eier durch Gipseier ausgetauscht werden. Hierfür ist es jedoch notwendig, dass durch vorherige Vergrämungsmaßnahmen ausgeschlossen wird, dass die Vögel ihr Futter aus dem Taubenschlag beziehen und sich dann neben diesem weiter vermehren“, berichtet die FNP weiter. Wie genau das ganze Vorhaben in der Praxis aussieht, zeigt hr-fernsehen in diesem Ratgeber-Video aus der ARD Mediathek. (RA)

Kontakt:
Stadttaubenprojekt Frankfurt e.V.
Solmsstraße 9
60486 Frankfurt am Main
Tel: 0170 / 848 475 7
E-Mail: info@stadttaubenprojekt.de

Gefördert aus Mitteln der Stadt und des Jobcenters Frankfurt am Main.

 

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