Lichtlos in der B-Ebene

Das Frankfurter Dialogmuseum hat am neuen Standort in der Frankfurter Hauptwache seine Türen für das Publikum geöffnet.

Ab sofort können Passant*innen im neu eröffneten Dialogmuseum in der B-Ebene der Frankfurter Hauptwache die Ausstellung “Dialog im Dunkeln“ besuchen. Das Besondere hierbei: Die Ausstellung ist vollkommen lichtlos. Ausgestattet mit einem Langstock werden die Besucher*innen dort von blinden Guides durch einen lichtlosen Parcours geführt. Eine Führung dauert etwa 60 Minuten, umfasst vier Themenräume und endet in der „DunkelBar“. Für Brillen, Handys, Jacken und Taschen gibt es Schließfächer im Foyer. In der Ausstellung sind alle Gegenstände mit Lichtschein – wie Uhren und Smartphones absolut verboten. Denn hier, unter der Erde, ist der Besucher nur auf Hören, Riechen, Tasten und Schmecken angewiesen, um sich in der Welt um ihn herum zu orientieren. Äußerlichkeiten, Sehen und Gesehenwerden sind hier ganz ohne Bedeutung. Alternativ bietet das Museum auch eine 15-minütige Soundreise auf Klangmöbeln im abgedunkelten Raum an, die am ganzen Körper spürbar sind. Auch für Luftbewebung ist gesorgt. Eine neue Klimaanlage wechselt achtmal pro Stunde in allen Räumen die Luft. Damit ist eine ordentliche Frischluftzufuhr gewährleistet.

Von der Hanauer Landstraße in die Innenstadt
Aufgrund der Pandemie war die Neueröffnung des Museums im Jahr 2020 auf ein unbestimmtes Datum verschoben worden. Nach einem Jahr Bauzeit und einem Jahr Leerstand nun wurde das Museum zwischen Metzger, Friseur und indischen Imbiss am U-Bahnhof „Hauptwache“ neu eröffnet. Davor war das Museum 13 Jahre lang in der Hanauer Landstraße im Ostend untergebracht. Die Ursprünge gehen sogar bis ins Jahr 1990 zurück, als im Künstlerhaus Mousonturm die erste temporäre Ausstellung unter dem Titel „Dialog im Dunkeln“ zu sehen war. Der Wiedereröffnung war eine lange Suche nach einem geeigneten Standort vorausgegangen. Jetzt ist es in die B-Ebene des S- und U-Bahnhofs Hauptwache umgezogen – genauer gesagt in die Räume der Stadtwerke Verkehrsgesellschaft Frankfurt und hat dort insgesamt 960 Quadratmeter zur Verfügung – 350 Quadratmeter für die neu konzipierten Ausstellungsflächen.

Akzeptanz für sozial benachteiligte Menschen schärfen
Wie es von offizieller Seite heißt, ist das Dialogmuseum ein Museum und ein privates Sozialunternehmen. Die gemeinnützige GmbH beschäftigt als Inklusionsbetrieb Mitarbeiter mit und ohne Behinderung. Hauptbestandteil des Museums sind Führungen im Dunkeln mit sehbehinderten Menschen. Die vorrangigen Ziele des Dialogmuseums bestehen darin, Bewusstsein und Akzeptanz für behinderte und sozial benachteiligte Menschen in der Öffentlichkeit zu schärfen, deren soziale Integration zu fördern und eine Arbeitsform für behinderte und benachteiligte Menschen zu schaffen, die ihre Potenziale offenlegt und gesellschaftliche Teilhabe stärkt. So waren von Anfang an die Begegnung und der unmittelbare Austausch mit den blinden oder sehbehinderten Vermittlern ein wesentlicher und zentraler Bestandteil der Ausstellungsidee, heißt es weiter. Das Kulturamt unterstützt das Museum jährlich mit 99.000 Euro aus dem Kulturetat der Stadt.

Besucher*innen sollten beachten, dass es in der Ausstellung keine Toiletten gibt. „Bitte suche die WCs vor der Tour auf. Wer während des Ausstellungsbesuch zur Toilette muss, wird hinausgeführt und kann danach nicht mehr zurück ins Dunkle“, heißt es vom Veranstalter. Weitere Randnotiz: Rollstuhlfahrer*innen werden von einer oder einem zusätzlichen Guide durch die Ausstellung gezogen. Für Menschen, die einen E-Rollstuhl nutzen, ist es erforderlich, in einen der hauseigenen mechanischen Rollstühle umzusteigen. Dies gilt auch für Besucher*innen mit Gehhilfen. (JL)

Wann:
09:00-17:00 Uhr (Mit bis Fr)
10:00-18:00 Uhr (Sa)

Kontakt:
Dialogmuseum
An der Hauptwache / B-Ebene
Passage 10: Roßmarkt
60313 Frankfurt am Main
Tel: 069 / 999 99 953 0
E-Mail: info@dialogmuseum.de

Kosten:
16 € (ermäßigt 12 €)

Anmeldung:
Erforderlich

Gefördert aus Mitteln der Stadt und des Jobcenters Frankfurt am Main.

 

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