Frankfurt anno 1891!

Der Edutainment-Anbieter Timeride hat ein eindrucksvolles Spektakel anzubieten: Eine Reise in das pulsierende Frankfurt des 19. Jahrhunderts, was nur mithilfe einer Virtual-Reality-Brille gelingen kann. So hautnah und realistisch, als wäre man selbst dabei.

Timeride, Berliner Str. 42a, 60311 Frankfurt am Main / Foto: Wiki

Wie war es eigentlich, als in Frankfurt die allerersten Straßenlaternen leuchteten, und wie sah die Altstadt noch vor der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg aus? Fragen von ganz vielen, die das Münchener Unternehmen Timeride durch eine digitale Zeitreise beantwortet – mit bewegten Bildern am Ort des Geschehens. Geschichte unmittelbar also. Dafür wurde anhand von Gemälden, ersten Fotografien und Beschreibungen in Sachbüchern und Literatur das alte Frankfurt bis ins kleinste Detail virtuell wieder aufgebaut. Rund 490 Gebäude, fünf Brücken, 34 Boote, 62 Kutschen, 2277 Menschen und eine reiche Flora und Fauna sind auf dem Weg über die Paulskirche zum Mainufer und von dort zum Hauptbahnhof zu bestaunen. Wo man auch hinschaut, überall sind neue Impressionen zu entdecken und den Teilnehmer*innen eröffnen sich laufend unbetretene Pfade auf der alte Stadtkarte Frankfurts: So als stände man mit einem Bein im Hier und Jetzt, mit dem anderen Bein in einem längst vergangenen Frankfurt.

Wenn Geschichte so lebendig wird, bedarf es die Unterstützung einer VR-Brille. Dabei wird „VR“ als Abkürzung des Begriffs „Virtual-Reality“ verwendet und bezeichnet eine durch spezielle Hard- sowie Software erzeugte, künstliche Wirklichkeit. „Der Kern moderner VR-Hardware ist die VR-Brille mit zwei hochauflösenden Displays zur Darstellung künstlich erzeugter Bilder und einer damit gekoppelten Sensorik zur Erfassung von Lage und Position des Kopfes. Wenn zwischen Sensorik und Darstellung eines Bildes weniger als 11 Millisekunden vergehen – die sogenannte Sensor-to-Photon-Latency –, entsteht der Eindruck, in der virtuellen Realität „präsent“ zu sein“, beschreibt das Frankfurter Zukunftsinstitut die Funktionsweise dieser Technik. „Grundlage für das Sehen in 3D ist das stereoskopische Sehen unserer Augen. Beide unterscheiden sich leicht im Winkel, sodass das rechte Auge mehr von der rechten Seite und das linke Auge mehr von der linken Seite sieht. Das Gehirn fügt beide Informationen zusammen. Wir sehen räumlich. Genau dieses Sehen simuliert die VR-Brille“, ergänzt das Kuratorium Gutes Sehen e.V.

Virtueller Frankfurter Kolonialwarenladen aus dem 19. Jahrhundert / Quelle: Wiki

Die Welt der Frankfurter Kaufleute

Zurück zum Ausgangspunkt dieser Tour. Jeden Gast mit seiner VR-Brille erwarten drei Stationen, welche alle aufeinander aufbauen und damit eine außergewöhnliche Zeitreise ermöglichen. So startet dieser multisensorische Entdeckungstrip in einem Kolonialwarenladen aus dem Jahr 1830. Hier werden die Gäste von einem fiktiven Frankfurter Kaufmann namens Theodor Riedel begrüßt und mit einigen für die damalige Zeit üblichen Waren und Spezialitäten wie getrocknetem Tabak oder Süßholz vertraut gemacht. „Wohlriechende Gewürze und exotische Waren entführen euch in der originalgetreu eingerichteten Kaufmannsstube in eine längst vergangene Welt“, schreibt dazu Timeride auf seiner Homepage. Für noch mehr VR-Überzeugungskraft werden demnach sogar Gerüche aus der Welt von Gestern simuliert.

Das Frankfurter Studierzimmer von Timeride führt in die Stadtgeschichte ein / Quelle: Wiki

Mit VR-Brille im Pferdewagen

Nach einem kurzem Abstecher in Riedels Studierzimmer mit einer zur Biedermeierzeit gestalteten Privatbibliothek, in der in zwei großen Büchern die Frankfurter Industriegeschichte aufleben darf, wartet das eigentliche Highlight auf die Besucher*innen: Eine Virtual-Reality-Kutschfahrt durch Frankfurt anno 1891! Im detailgetreuen Nachbau einer Panoramakutsche ermöglicht die VR-Brille auf der Nase einen genauen Blick auf die vom Zweiten Weltkrieg noch unversehrte Altstadt. Begleitet vom Rattern der Holzräder über Kopfsteinpflaster und vom Hufschlag der Pferde entfalten sich vor den Augen der Gäste noch einmal aufs Neue die architektonische Pracht und das pulsierende Leben des alten Frankfurts an der Schwelle zur Moderne im 19. Jahrhundert. „Mit eurer VR-Brille genießt ihr einen 360°-Rundumblick auf die einmalige Verbindung mittelalterlicher Fachwerk-Ensemble sowie erhabener Gründerzeitbauten“, ergänzt Timeride auf seiner Website weiter.

Die Kutsche, in denen die Gäste während der virtuellen Stadtrundfahrt Platz nehmen / Foto: Wiki

Blick in die Frankfurter Industriegeschichte

Den Abschluss der Brillen-Fahrt in den gegenwärtigen Räumen des Veranstalters schräg gegenüber der Paulskirche bildet die Eröffnung einer Elektrotechnik-Ausstellung, datiert am 16. Mai 1891. Dieses Ereignis auf dem Gelände der ehemaligen Westbahnhöfe machte erstmals für alle Frankfurter*innen die Bedeutung von Strom und elektrischen Lampen für das urbane Leben sichtbar. Bei ihr wurde mit der Drehstromübertragung Lauffen–Frankfurt erstmals die leistungsstarke Fernübertragung von Strom demonstriert, der im 176 km entfernten Lauffen am Neckar erzeugt wurde. Aufgrund dieses erfolgreichen Feldversuchs setzte sich die Drehstromtechnik für den Aufbau elektrischer Übertragungsnetze weltweit durch, berichtet die Online-Enzyklopädie Wikipedia dazu.

Unterwegs mit Bus und Straßenbahn 

Nebenbei, auch sehenswerte Zeitreisen durch Berlin, Dresden, Köln und München des gleichen Anbieters sind en passant möglich. Auch dort erzählt Timeride mit seiner VR-Technologie verschiedene geschichtliche Aspekte der jeweiligen Städte mit Haut und Haar nach. In Berlin beispielsweise führt die Reise mitten in die 80er-Jahre der DDR. Zu sehen gibt es den Checkpoint Charlie, die Friedrichstraße und den Palast der Republik des damaligen Berlins auf einer virtuellen Busreise. In Dresden geht es mit einer Kutsche und einer VR-Brille durch die barocke Stadt von vor 300 Jahren. In Köln reisen die Gäste ins Jahr 1926, um mit der ersten elektrischen Kölner Straßenbahn die Wahrzeichen des alten Kölns zu entdecken und in München deckt die Zeitreise gleich in einem Ausflug über 7.000 Jahre Geschichte ab – von den ersten menschlichen Siedler*innen bis zum Märchenkönig Ludwig II.

Kinder im Alter von sechs bis zwölf Jahren können an der VR-Fahrt in Begleitung der Großeltern teilnehmen. Unter sechs Jahren ist die Teilnahme in den Räumen in der Altstadt nicht möglich, da die VR-Brillen aufgrund der Größe und des Gewichts für diese Altersgruppe nicht geeignet sind. Ob jung oder alt, stellt sich noch die Frage nach den Auswirkungen der VR-Brille auf die Augengesundheit. Sicher ist, dass der VR-Brillen-Markt erst wenige Jahre alt ist und die gesundheitlichen Folgen somit bisher noch nicht ausreichend erforscht sind. Sicher ist aber auch, dass der Blickwechsel zwischen realer und künstlicher Welt, also zwischen nah und fern, insbesondere ältere Augen nach mehr als einer Stunde anstrengt. Da passt es, dass dieser virtuelle Ausflug in die Frankfurter Stadtgeschichte in etwa eine Dreiviertelstunde dauert.

Abschließend noch ein ergänzender Tipp für alle Geschichtsinteressierte:  Ob nun der neu gegründete „Damenverein Gabelsberger“, der seinen ersten Kurs in Stenographie am Paulsplatz durchführte, oder die feierliche Einweihung der „Walcker-Orgel“ im Frankfurter Dom – die Stadtchronik des Frankfurter Instituts für Stadtgeschichte bietet einen detaillierten Überblick über die bedeutendsten und bemerkenswertesten Ereignisse der Stadt, so auch aus dem Jahr 1891. (RA)

Wo:
Timeride GmbH
Berliner Straße 42a
60311 Frankfurt am Main
Tel: 069 91313775
E-Mail: frankfurt@timeride.de

Anmeldung:
Erforderlich

Kosten:
14,50 € (ermäßigt 12,50 €)
Familien 36,00 €
Ab 8 Personen: 13,50 € pro Person

Gefördert aus Mitteln der Stadt und des Jobcenters Frankfurt am Main.

 

© - seniorenagentur-frankfurt.de