Coronavirus: Dritter Pikser für Ältere?

Aufgrund der Ausbreitung der Delta-Variante sollten Hochbetagte und Menschen mit einem geschwächten Immunsystem bereits im Herbst hierzulande eine dritte Impfdosis bekommen, raten Wissenschaftler.

Trotz insgesamt sinkender Infektionszahlen ist die besonders aggressive Delta-Variante in Deutschland auf dem Vormarsch. Das Berliner Robert-Koch-Institut (RKI) geht in seinem aktuellen Bericht zu Virusvarianten von SARS-CoV-2 von einem Wiederanstieg der Inzidenzen in Deutschland durch die zuerst in Indien aufgetretene Delta-Variante (B.1.617.2) aus. Rund 15 Prozent der Covid-19-Fälle in Deutschland gehen aktuell auf die sich ausbreitende Delta-Variante zurück. Delta sei noch ansteckender als die in Großbritannien entdeckte Alpha-Variante (B.1.1.7). Es sei nur noch eine Frage der Zeit, wann die Delta-Variante die Hoheit übernehmen werde, warnt das RKI.

„Nachlassende Immunantwort bei älteren Menschen“
Ein halbes Jahr nach dem offiziellen Start der deutschen Impfkampagne und vor dem Hintergrund der besorgniserregenden Zahlen des RKI prüfen Wissenschaftler*innen derzeit, ob Ältere oder Menschen mit einem geschwächten Immunsystem im kommenden Herbst eine dritte Covid-19-Schutzimpfung mit den bekannten und hier zugelassenen Impfstoffen erhalten sollten. Der Infektionsimmunologe an der Berliner Charité, Leif Erik Sander, ist sich sicher: „Wir müssen die nächste Phase beim Impfen jetzt schon andenken“, zitiert die Süddeutsche Zeitung (SZ) den Experten im Gespräch mit der Deutschen Presse Agentur (dpa). Zwar seien Auffrischungsimpfungen für jüngere und gesunde Menschen noch kein Thema. Doch gehe er davon aus, dass „wir bei älteren Menschen, die zu Beginn dieses Jahres ihre Erst- und Zweitimpfung erhalten haben, eine nachlassende Immunantwort sehen werden.“

Watzl: Dritte Impfung nötig
Charité-Forscher Sander hält es durchaus für möglich, dass es ohne Auffrischungsimpfungen im Winterhalbjahr in Alten- und Pflegeheimen zu zusätzlichen Infektionen durch die hochansteckende Delta-Variante kommen könnte, was sein Kollege Carsten Watzl, Leiter des Forschungsbereichs Immunologie im Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund (IfADo), durchaus ähnlich sieht. Watzl schreibt auf dem Blogging-Dienst twitter: „Im Herbst/Winter wird sich Delta auch bei uns durchsetzen, dann werden sich die infizieren, die keinen oder einen zu schwachen Schutz haben“. Und weiter schreibt der Experte auf twitter: „Auch ältere Personen mit hohem Risiko für schwere Verläufe könnten bei Delta ein Problem bekommen, wenn die Impfung bei ihnen nicht so gut gewirkt hat. Daher werden solche Personen vor dem Herbst eine dritte Impfung benötigen.“ Der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission (Stiko) am RKI, Thomas Mertens, formulierte es gegenüber der Nachrichtenagentur dpa etwas vorsichtiger: „Die Daten dazu, wer wann erneut geimpft werden sollte, sind noch etwas unsicher“, sagt er. „Wir erwarten mehr Anhaltspunkte zur Dauer der Immunantwort nach einer Impfung bis zum August.“

Derweil geht die Impfkampagne hierzulande weiter voran. Laut RKI haben 52,2 Prozent der Menschen (43,4 Millionen) in Deutschland mindestens eine Impfdosis gegen das Coronavirus erhalten. Etwa jeder Dritte (27,8 Millionen) ist nun vollständig gegen das Coronavirus geimpft (Stand: Juli 2021).

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